Italien 2018 – Como (20. Tag)

Die Nacht war sehr früh zu Ende: gestern hatten wir uns gefragt, wofür wohl die großen Müllcontainer sind. Nun wissen wir es: das ist eine Müllumladestation und ab 6:00 ist da Betrieb.

Entsorgung Italian Style

Nun denn. Wir sind zeitnah geflüchtet und haben ein bisschen außerhalb auf einem Parkplatz gefrühstückt. Einen Bäcker zu suchen war zwar nicht von Erfolg gekrönt, aber wir hatten genug leckeres im Schrank…

Weil die Etappe heute so kurz ist, gab es Landstraße, quer durch Milano. Angehalten haben wir nicht, aber Großstadtflair geschnuppert.

Kondomausstellung?
Milano

Eigentlich wollten wir an den Comer See, aber unser dementer Hund hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Also ruhiger Abend am Wohnmobil. Richtig lohnend finden wir es hier eh nicht – voll, eng und teuer. Hier machen wir wohl eher nicht wieder Station.

Dramatische Aussicht vom Platz

Salò

Wir hatten beschlossen, dass wir uns das mit dem unzuverlässigen Anlasser nicht länger ansehen wollten, also baten wir den ADAC um eine Werkstattadresse in der Nähe unseres nächsten Ziels, Salò, gerade mal 25 km entfernt. Die haben wir prompt bekommen und besuchten die sehr netten Leute da – muss ich sagen, dass der Anlasser auf dem Werkstatthof mustergültig gestartet hat, bestimmt zwanzig mal? Nun denn, dann soll das so sein. Also weiter zu unserem heutigen Stellplatz nach Salò, erst durch bestimmt 100 Tunnels, später durch ein unbeschreibliches Verkehrschaos, so um die 10km Dauerstau durch mehrere Orte.

 

Schöne alte Architektur am Straßenrand

Am Ziel freuen wir uns: der Platz ist wirklich sehr schön gelegen, günstig und unsere Basis für die nächsten Tage, denn nun wollen wir einige Tage bleiben und uns mal ganz gepflegt nach allen Regeln der Kunst erholen.

Ankommensbier muss natürlich sein
Die tolle Aussicht von unserem Platz auf Salò

Am nächsten Tag geht es nirgends hin. Statt dessen baden, ein bisschen was einkaufen und vor allem die Sache mit dem Tierarzt. Unserem alten Hund geht es schon ein paar Tage nicht gut, da wollten wir etwas tun. Ich hatte ziemlich Bammel, einen Veterinario anzurufen, war dann aber alles ganz einfach: wenn man weiß, was man will, braucht man keinen Arzt.  Man geht einfach in die Apotheke und kauft es. In Deutschland ein unvorstellbares Vorgehen, in Italien gar kein Problem. An dieser Stelle ein Riesendankeschön an unsere tolle Tierärztin, die uns so toll geholfen hat! Und so hoffen wir, dass es dem kleinen braunen Hund bald besser geht und sitzen draußen bei Wein, lecker essen und Livemusik von nebenan. Könnte schlechter laufen.

Hoffentlich hilft es
Besuch am Strand

Eigentlich fahren wir spätestens nach zwei Tagen weiter, aber a) sind wir einfach immer noch ziemlich erledigt, b) braucht Schnauzi eine Genesungspause und c) ist es hier einfach so schön, dass wir wohl bis Sonnabend bleiben werden.

Heute also Stadt gucken. Salò ist wirklich schön, und die Touristenströme hielten sich in Grenzen. Außerdem gibt es ja stille Seitengassen. Dann erst mal wieder Pause, dann baden. Stress pur 😉

Gasse in Salò
Baden mit Aussicht

Immer nur baden ist auch nix, also waren wir heute – nach dem Baden, versteht sich – im MuSa, dem Museo die Salo, wo es einiges zu sehen gab, unter anderem eine sehr an die Nieren gehende Ausstellung über die Vernichtung politischer Gegner, indem man sie als psychisch krank bezeichnete und in Psychiatrische Gefängnisse einwies – schreckliche Bilder, die haften bleiben. Auch die kriegerische Vergangenheit Norditaliens, ein Landstrich, der über viele Jahrzehnte nur selten Frieden erlebt hat, ging uns nahe. Danach waren wir einigermaßen erschagen und froh, wieder “zu hause” zu sein. Das Wetter war eher nass und kalt, aber drinnen ist ja auch mal nett.

Blick aus dem Museum über die Bucht

Pregasio

Geweckt wurden wir von schönstem Sonnenschein, aber nicht allzu viel Wärme, da bot sich eine kleine Kraxeltour an, aber erstmal schön frühstücken in Café. Nachdem wir die Sache mit den Kaffeebezeichnungen und der Frühstücksauswahl geklärt hatten, war das ausgesprochen lecker.

Blick über den Platz auf die Kirche und den imposanten Hausberg, auf den wir gleich wollen
Frühstück mit Ausblick

Dann also rauf nach Pregasio auf 550m. Das war durchaus anstrengend für uns zwei untrainierte Weicheier, aber schön. Und oben gab’s lecker Gelato, um uns für den Abstieg zu stärken.

Blick auf den zurückgelegten Weg
Lecker Eis mit Weltklasseausblick

Baden fiel aus – nachmittags wirft der Berg Schatten, und dann merkte man doch sehr, dass nur 20°C sind. Versuchen wir morgen noch einmal…

Campione del Garda

Wir waren erst um 2 im Bett, daher lassen wir es ruhig angehen. Banger Test, ob der Anlasser Lust hat. Hat er. Also erst mal Semmeln kaufen, in Ruhe frühstücken und bloß keinen Stress, wir haben ja Urlaub.

Das Wetter in Mittenwald ist nicht so, dass man lange bleiben oder irgendwas anschauen will, also auf geht’s nach Österreich.

Mittenwald. An sich sind die Alpen ja bestimmt schön.

Weit kommen wir allerdings nicht, an der Tankstelle kurz vor der österreichischen Grenze, wo wir tanken und ein Pickerl kaufen wollen, streikt der Anlasser erneut. Hektisches telefonieren mit dem ADAC, blanke Verzweiflung, auf einmal geht er wieder. Das lassen wir uns nicht zwei mal sagen, und sehen zu, dass wir das weite suchen. Tanken bei laufendem Motor in Österreich und sehen zu, dass wir aus dem Regenland rauskommen. Auch in Südtirol schüttet es wie aus Eimern, die Autobahn ist rappelvoll, also nehmen wir in Italien die Brennerlandstraße und schaukeln lustig Richtung Gardasee.

Südtirol. Bei Sonne bestimmt schöner.

In Riva an der Nordspitze angekommen, haben wir allerdings kein Glück – alles ausgebucht, denn am Wochenende sind die Italiener da. Wir fahren weiter und enden schließlich in Campione, ein improvisierter Platz auf einer Industriebrache, gefällt uns gut da. Wir bleiben. Gehen sehr lecker (und teuer) Essen bei Guido und sind langsam wieder versöhnt mit dem Urlaub. Das Problem mit dem Anlasser verschieben wir erst mal, italienische Gelassenheit oder so.

Nächtliches Panorama