Weiter geht’s, den Spuren des Womo-Reiseführers folgend, nach Arezzo. Nachdem wir von Poppi geflasht sind, finden wir es größer, voller aber nicht unbedingt interessanter. Für einen Stadtrundgang und leckere Lebensmittel haben wir aber doch Lust gehabt, an Käse und Nudel könnten wir uns ohnehin totkaufen.
Campingplatzidylle
Dann weiter nach Rapolano Terme in die Terme San Giovanni. Wenn man sich an den Schwefelgeruch nach faulen Eiern erst einmal gewöhnt hat, ist es wirklich sehr, sehr schön, die Knutschquote ist hoch und Haut und Gelenke freuen sich. Todmüde plumpsen wir ins Wohnmobil. Und bei einem anschließenden Gang mit dem Hund klärt sich auch die Frage, wo ddas ganze schwefelige Wasser eigentlich bleibt.
Eins der AußenbeckenBeim Spaziergang gefunden: der Auslauf
Weiter geht’s im schon genannten Buch, ganze 50km nach Poppi. Zunächst besuchen wir die Pieva di Romena, eine schlichte Kirche aus dem 12. Jahrundert, die einer Bruderschaft gehört, seit Jahrhunderten. Eine sehr aktive religiöse Gemeinschaft wie mir scheinen will, und eine sehr eindrucksvolle Kirche, ganz alleine auf dem Berg.
Pieve di Romena
Dann nach Poppi, eine unfassbar hübsche alte Stadt, auf einem Hügel gelegen, mit derart vielen Fotomotiven, dass man schlicht alles fotografieren kann. Dazu lecker essen und überhaupt. Völlig erschlagen von den Eindrücken machen wir heute erst einmal gar nichts mehr.
Poppi von weitem
Die Durchfahrt reicht gerade eben so
Poppi
Am nächsten Morgen gibt es heftigen Regen, der fast den ganzen Tag anhält. Während Livorno und Pisa in Überschwemmungen ertrinken, regnet es bei uns “nur” so sehr, dass ein reißender Bach an unseren Reifen vorbeifließt und es zur Küchenentlüftung hereintropft. Also Plan geändert, heute Lese- und Faulenztag. Ist ja auch mal fein. Abends raffen wir uns immerhin noch auf einen Drink nach Poppi auf.
Heute sollte es weiter gehen. Das Badewetter war eh am umschlagen, und irgendwann hat mensch sich auch sattgesehen. Ziel ist die Toskana, wir haben das passende Buch aus dem Womo-Verlag an Bord und wollen ein kleines Stück daraus er-fahren. Es geht also nach Stia, gut 300km Weg, daher nehmen wir die Autobahn. Insofern gibt es über die ersten 250km der Strecke wenig zu erzählen. Autobahn fahren in Italien ist kostengünstig, problemlos und mensch kommt gut voran. In Mugello verlassen wir die A1, um uns dann in vielen Serpentinen bis auf 1000m Höhe zu schrauben – dass Italien ausgeprägte Mittelgebirge hat, war uns bisher irgendwie entgangen. Am Ziel angekommen erwartete uns ein italienisches Sädtchen, in dem die Zeit stehen geblieben scheint – fast, denn was wir am Abend in einem Lokal zu essen bekamen, in einem kleinen Lokal, von jungen Leuten aufgezogen, hielt jedem Vergleich stand. Ein gelungener Tag!
Interessante Sachen gibt es im Supermarkt in Borgo San LorenzoÜber die BergeDas Zentrum von Stia
Wir hatten beschlossen, dass wir uns das mit dem unzuverlässigen Anlasser nicht länger ansehen wollten, also baten wir den ADAC um eine Werkstattadresse in der Nähe unseres nächsten Ziels, Salò, gerade mal 25 km entfernt. Die haben wir prompt bekommen und besuchten die sehr netten Leute da – muss ich sagen, dass der Anlasser auf dem Werkstatthof mustergültig gestartet hat, bestimmt zwanzig mal? Nun denn, dann soll das so sein. Also weiter zu unserem heutigen Stellplatz nach Salò, erst durch bestimmt 100 Tunnels, später durch ein unbeschreibliches Verkehrschaos, so um die 10km Dauerstau durch mehrere Orte.
Schöne alte Architektur am Straßenrand
Am Ziel freuen wir uns: der Platz ist wirklich sehr schön gelegen, günstig und unsere Basis für die nächsten Tage, denn nun wollen wir einige Tage bleiben und uns mal ganz gepflegt nach allen Regeln der Kunst erholen.
Ankommensbier muss natürlich sein
Die tolle Aussicht von unserem Platz auf Salò
Am nächsten Tag geht es nirgends hin. Statt dessen baden, ein bisschen was einkaufen und vor allem die Sache mit dem Tierarzt. Unserem alten Hund geht es schon ein paar Tage nicht gut, da wollten wir etwas tun. Ich hatte ziemlich Bammel, einen Veterinario anzurufen, war dann aber alles ganz einfach: wenn man weiß, was man will, braucht man keinen Arzt. Man geht einfach in die Apotheke und kauft es. In Deutschland ein unvorstellbares Vorgehen, in Italien gar kein Problem. An dieser Stelle ein Riesendankeschön an unsere tolle Tierärztin, die uns so toll geholfen hat! Und so hoffen wir, dass es dem kleinen braunen Hund bald besser geht und sitzen draußen bei Wein, lecker essen und Livemusik von nebenan. Könnte schlechter laufen.
Hoffentlich hilft esBesuch am Strand
Eigentlich fahren wir spätestens nach zwei Tagen weiter, aber a) sind wir einfach immer noch ziemlich erledigt, b) braucht Schnauzi eine Genesungspause und c) ist es hier einfach so schön, dass wir wohl bis Sonnabend bleiben werden.
Heute also Stadt gucken. Salò ist wirklich schön, und die Touristenströme hielten sich in Grenzen. Außerdem gibt es ja stille Seitengassen. Dann erst mal wieder Pause, dann baden. Stress pur 😉
Gasse in SalòBaden mit Aussicht
Immer nur baden ist auch nix, also waren wir heute – nach dem Baden, versteht sich – im MuSa, dem Museo die Salo, wo es einiges zu sehen gab, unter anderem eine sehr an die Nieren gehende Ausstellung über die Vernichtung politischer Gegner, indem man sie als psychisch krank bezeichnete und in Psychiatrische Gefängnisse einwies – schreckliche Bilder, die haften bleiben. Auch die kriegerische Vergangenheit Norditaliens, ein Landstrich, der über viele Jahrzehnte nur selten Frieden erlebt hat, ging uns nahe. Danach waren wir einigermaßen erschagen und froh, wieder “zu hause” zu sein. Das Wetter war eher nass und kalt, aber drinnen ist ja auch mal nett.
Geweckt wurden wir von schönstem Sonnenschein, aber nicht allzu viel Wärme, da bot sich eine kleine Kraxeltour an, aber erstmal schön frühstücken in Café. Nachdem wir die Sache mit den Kaffeebezeichnungen und der Frühstücksauswahl geklärt hatten, war das ausgesprochen lecker.
Blick über den Platz auf die Kirche und den imposanten Hausberg, auf den wir gleich wollenFrühstück mit Ausblick
Dann also rauf nach Pregasio auf 550m. Das war durchaus anstrengend für uns zwei untrainierte Weicheier, aber schön. Und oben gab’s lecker Gelato, um uns für den Abstieg zu stärken.
Blick auf den zurückgelegten WegLecker Eis mit Weltklasseausblick
Baden fiel aus – nachmittags wirft der Berg Schatten, und dann merkte man doch sehr, dass nur 20°C sind. Versuchen wir morgen noch einmal…
Wir waren erst um 2 im Bett, daher lassen wir es ruhig angehen. Banger Test, ob der Anlasser Lust hat. Hat er. Also erst mal Semmeln kaufen, in Ruhe frühstücken und bloß keinen Stress, wir haben ja Urlaub.
Das Wetter in Mittenwald ist nicht so, dass man lange bleiben oder irgendwas anschauen will, also auf geht’s nach Österreich.
Mittenwald. An sich sind die Alpen ja bestimmt schön.
Weit kommen wir allerdings nicht, an der Tankstelle kurz vor der österreichischen Grenze, wo wir tanken und ein Pickerl kaufen wollen, streikt der Anlasser erneut. Hektisches telefonieren mit dem ADAC, blanke Verzweiflung, auf einmal geht er wieder. Das lassen wir uns nicht zwei mal sagen, und sehen zu, dass wir das weite suchen. Tanken bei laufendem Motor in Österreich und sehen zu, dass wir aus dem Regenland rauskommen. Auch in Südtirol schüttet es wie aus Eimern, die Autobahn ist rappelvoll, also nehmen wir in Italien die Brennerlandstraße und schaukeln lustig Richtung Gardasee.
Südtirol. Bei Sonne bestimmt schöner.
In Riva an der Nordspitze angekommen, haben wir allerdings kein Glück – alles ausgebucht, denn am Wochenende sind die Italiener da. Wir fahren weiter und enden schließlich in Campione, ein improvisierter Platz auf einer Industriebrache, gefällt uns gut da. Wir bleiben. Gehen sehr lecker (und teuer) Essen bei Guido und sind langsam wieder versöhnt mit dem Urlaub. Das Problem mit dem Anlasser verschieben wir erst mal, italienische Gelassenheit oder so.
Viel gibt es nicht zu erzählen: Strecke machen, wir wollten in einem Rutsch an die österreichische Grenze. Das hat auch fast geklappt, bis auf die Tatsache, dass wir in Mittenwald mal eben den Motor ausmachten, um den Stellplatz zu suchen und dann der Anlasser nicht mehr wollte. Womie ist halt ein älterer Herr, und hat so seine Gebrechen. Das brachte uns die Bekanntschaft eines extrem schlecht gelaunten und nicht wirklich nüchternen ADAC-Franchisers ein, aber sei’s drum.
Das Foto ist von einem kleinen Zwischenstopp in Halle an der Saale, wirklich ein nettes Örtchen, wären da nicht massenweise Wahlplakate von AfD und NPD, wir haben noch nie so viele davon auf einem Haufen gesehen…
Noch so ein Ort, den wir eher nicht auf der Pfanne hätten. In der äußersten Ecke von NRW, im Niemandsland zwischen Göttingen, Hannover, Bielefeld und dem Ruhrgebiet, was soll da schon sein? Aber wir waren überrascht von dem kleinen Städtchen, und empfehlen hiermit weiter.
Nordhessen ist jetzt keine Ecke, die ich spontan als Nr. 1 auf meiner Wunschliste hätte, aber das Weserbergland hat was, und Lippoldsberg ist ein schmuckes Fachwerkörtchen mit einer bekannten und sehr sehenswerten Kirche, der Womoplatzbetreiber, zugleich Wirt, tut sein bestes um es einem nett zu machen und die junge Weser liefert die passende Kulisse dazu…war wirklich schön. Gut erholt und braungebrannt ziehen wir von dannen und werden uns die Region bestimmt noch einmal antun.